Trump erntet die Früchte des Zorns

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Wieder ein Toter in Minneapolis. Wenn Donald Trump nicht schnell die Eskalation zurückdreht, droht ihm ein Debakel an der Urne.

Am Mittwoch hat Donald Trump noch der ganzen Welt erklärt, was sie zu tun hat. Nun läuft ihm die Situation im Heimatland aus dem Ruder. Wieder gibt es einen Toten, diesmal einen Mann, der von den Einwanderungsbehörden erschossen wurde. Und wieder einmal zeigt sich, wie gefährlich Trumps ständige Eskalationspolitik ist. Er, der sich als Dealmaker sieht, stachelt überall Streit an und verliert nun ganz offensichtlich langsam die Kontrolle über all die vielen Brandherde, die er gelegt hat.

Der Krieg um die Zölle, der Krieg gegen die Drogen, Venezolaner, den Iran, die Einwanderer, Spott über die Europäer und die kanadischen Nachbarn. Das alles will ein Mann siegreich beenden. Doch in einem halben Jahr sind Wahlen, und spätestens dann droht Trump an seinen Allmachtsfantasien zu scheitern, wenn er es nicht schafft, endlich Ruhe in seine Regierung zu bringen.

Dabei hätte er durchaus etwas vorzuweisen. Der Erfolg in Venezuela, wo es ihm gelang, nach jahrelangem Gezanke den Diktator ganz einfach herauszuholen und in New York vor Gericht zu stellen, hätte ihm Ansehen und Stimmen bringen können. Sein Angriff auf den Iran letzten Sommer schien wohldosiert und ebenfalls erfolgreich. Selbst die Einwanderungspolitik, die ihn an die Macht brachte, war zwar hart, aber sie hat ihren Zweck erfüllt. Letztendlich kann man eigentlich nichts dagegen haben, wenn die Schwarzarbeit energisch bekämpft wird. Barack Obama hat das auch gemacht, aus anderen Gründen. Und in der Schweiz verteidigen die Gewerkschaften ihre Baustellenkontrollen, die sich letztlich auch gegen ausländische Arbeiter richten, durch Dick und Dünn, selbst wenn deswegen die Verhandlungen mit Europa zu scheitern drohen.

Aber irgendwann muss auch Trump die Eskalation zurücknehmen, sonst droht aus dem Protest ein blutiger Aufstand zu werden, so wie das vor ein paar Jahren schon einmal der Fall war. Die Frage ist jedoch: Kann er das, oder gibt es in seinem Umfeld jemanden, auf den er hört? Bislang scheint es nicht so.

An der aussenpolitischen Front ist es dasselbe. Trump zettelt viel an, erzielt erste Erfolge, kann sie dann aber nicht wirklich ins Trockene bringen, weil er schon wieder ein neues Projekt hat. So etwa die Show mit dem Friedensrat. Gedacht ist sie für die Befriedung des Gazastreifens, Trump will sich mit ihr ein Denkmal auf Lebenszeit setzen – und wird wohl absehbar scheitern. Das Projekt, Gaza zu einem Badeort zu machen, das sein Schwiegersohn in Davos vorstellte, ist jedenfalls so lächerlich weit von der Realität weg, dass die meisten Medien gar nicht mehr gross darüber berichteten.

Mit seiner Unterstützung der Aufständischen im Iran scheint Trump ebenfalls gescheitert. Jedenfalls haben die Mullahs bisher ungestraft Tausende Demonstranten umgebracht, den Protest erstickt, und nichts ist passiert, obwohl Trump Hilfe versprochen hat. Ebenfalls nichts Positives ist bisher in der Ukraine passiert. Der Krieg, den Trump in ein paar Tagen beenden wollte, geht unvermindert weiter. Über tausend Tote und schwer verletzte russische Soldaten soll es da täglich geben, wie es in Davos sowohl Trump als auch Wolodymyr Selenskyj sagten. Ein Blutbad nannte Trump das, womit er recht hatte. Nun wird in diesem Konflikt wenigstens wieder verhandelt, aber noch schweigen die Waffen nicht.

All das wäre für die Welt und auch für die USA wichtig, genauso wie eine Beruhigung im Zollkrieg, den Trump nun gegenüber Kanada noch einmal verschärfen will, weil seine ungehorsamen Nachbarn mit China ein Abkommen schliessen wollen.

In Amerika selbst jedoch interessiert nur die Innenpolitik und damit im Moment der Konflikt mit den Einwanderungsbehörden, der aus dem Ruder läuft. Die Hoffnung, dass Trump da zur Vernunft kommt, ist gering, aber es gibt sie doch. Im Moment scheint Trumps Politik dermassen unpopulär, dass er im Herbst an den Urnen ein Debakel befürchten muss. Das, und nur das, könnte ihn vielleicht dazu bringen, zur Vernunft zu kommen.

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